Ludesch Pfarrkirche

Die Ursprünge dieses barocken Langhausbaus reichen bis zum Jahre 1637 zurück. Damals gingen auch schon die pfarrlichen Rechte von der spätgotischen St. Martinskirche (Urkundlich erstmals erwähnt 842) an die St. Sebastians Kirche über. Zwischenzeitlich wurde die Kirche innen und außen verschiedentlich renoviert und auch vergrößert. Mit ein Anlass für die aktuelle Renovierung war der Anschluss der Kirche an die Biofernwärmeanlage der Gemeinde Ludesch. Das Kirchenschiff wird optisch dominiert vom Hochaltar und zwei Seitenaltären aus schwarzem Bingser Marmor. Ihre Restaurierung und Reinigung gestaltete sich bei der nun weitgehend abgeschlossenen Renovierung besonders aufwändig. Für die gesamte Raumschale wurde ein lichtes Raumkonzept gewählt, mit zartfarbigen Stuckaturen und einem hellen Boden aus Solenhofer Steinplatten, der vom Eingang bis zum Altarraum um 20cm abfällt und so den Gläubigen eine bessere Sicht auf das liturgische Geschehen ermöglicht. Die Bänke wurden abgelaugt und wieder in ihren Naturzustand gebracht. Ein interessanter und stimmiger Akzent konnte mit zeitgenössischer Kunst in Form von Volksaltar, Ambo und Taufbecken aus Irischem Marmor gesetzt werden.

Die Pestzeit - Bau der Kirche

In alter Zeit kam die Pest zweimal nacheinander nach Ludesch (1628/29 und 1635). Das erstemal brach sie in der Judengasse aus und kam schon bis nach Parx hinein. Da gelobten die Bauern, wenn sie verschont blieben, hart an der Pestgrenze eine Kirche zu bauen, und sofort endete die Seuche. Sie aber vergaßen allzu schnell Angst und Gefahr. Ein Kirchenbau dünkte sie ein beschwerliches und kostspieliges Gelübde, ein Bildstöckchen, vermeinten sie, täte es auch und setzten ein solches an jene Stelle (bei der alten Sennerei/Raiffeisenstraße). Dabei überkam es alle wie ein Taumel. Es war in einem Weinjahr, so gut wie noch nie; in den Torkeln war jede Butte voll, und die Ludescher trieben es arg bei Suser und Tanz. Am ausgelassensten ging es im Torkel (Weinpresse) beim Tanzbrunnen zu und in der Tanzlaube nebenan. Da kam plötzlich die Pest zum zweiten Male. Mitten unter die Tanzenden kam sie, in den wilden Jubel auf der Laube. Neunundneunzig an einem Tage streckte sie hin. (Sie alle liegen in einem gemeinsamen Grabe oben im Martinskirchlein, wie eine alte Inschrift besagte.) Da erfasste das ganze Dorf Zittern und Reue. Die Mädchen setzten einander in der Tanzlaube Totenkränze auf; die Männer gingen an den Bau der versprochenen Kirche, und sobald sie ihn begonnen hatten, erlosch das Sterben. Sie aber führten das Werk reuig zu Ende, und die Kirche, welche sie in der Pestnot erbaut hatten, ist jetzt die Pfarrkirche von Ludesch (geweiht den Pestpatronen Sebastian und Rochus und dem bisherigen Kirchenpatron St. Martin).